Aneurysma
Angiografische Darstellung eines Aneurysma
3D-Rekonstruktion des selben Aneurysma
Indikation
Patienten mit geplatzten Aneurysmen, die nicht behandelt werden, haben nur eine Überlebenschance von 50%. Auf Grund des „Selbstrepariermechanismus“ des Körpers wird das blutende Aneurysma zwar von selbst wieder verschlossen, aber diese dünne und notdürftig selbst verschlossene Stelle hat in den ersten Tagen, Wochen und Monaten eine Reblutungsrate von 30-50%. Daher muss ein einmal geblutetes Aneurysma unbedingt behandelt werden.
Die Aneurysmabehandlung kann man auch prophylaktisch bei nicht gebluteten Aneurysmen (sog. „inzidentellen“ Aneurysmen) durchführen. Hier muss man das Operationsrisiko oder Interventionsrisiko gegen das Risiko der Blutung abwägen. Dabei spielen v. a. die Größe und Lage des Aneurysmas, bestimmte Risikofaktoren und auch die persönliche Einstellung des Patienten eine Rolle.
Behandlung
Prinzipiell gibt es zwei Behandlungsmethoden, die neurochirurgische mit dem Clipping-Verfahren und die neuroradiologische mit dem Coiling-Verfahren.

Das Aneurysma-Clipping ist ein neurochirurgisches Operationsverfahren, bei dem im Operationsaal unter dem Mikroskop ein Verschluss einer Gefäßaussackung (=Aneurysma) durch einen Miniclip erfolgt. Hierbei werden feinste, chirurgische Instrumente verwendet, womit das Aneurysma möglichst vollständig und dauerhaft ausgeschaltet wird. Nach einem kosmetischen Hausschnitt im Haarbereich wird der knöcherne Schädel zielgenau an entsprechender Stelle eröffnen. Dabei wird ein schonender und natürlicher Zugang unter dem Gehirn oder zwischen den Gehirnlappen geschaffen, sodass Hirnschäden vermieden werden können. Während dieses Zugangs liefert das Operationsmikroskop eine hohe Vergrößerung des Bildes und eine exzellente Beleuchtung entlang natürlicher Korridore des Gehirns. Die Operation erlaubt dem Neurochirurgen, die in der Nähe des Aneurysmas abgehenden Gefäße zu sehen und zu schonen. Bei großen und komplexen Aneurysmen erfolgen oft weitere Techniken wie einen Bypass (Blutumleitung), Trapping (Ausschluss) oder Wrappingtechniken (Umlegung). Es ist ebenfalls möglich, durch mehrere Clips abgehende Gefäße aus dem Aneurysma künstlich zu rekonstruieren, sodass keine Hirninfarkte entstehen. Während der Operation werden die benachbarten Gefäße und das Trägergefäß regelmäßig mittels Ultraschall und Fluoreszenzverfahren kontrolliert und so sichergestellt, dass der eingebracht Clip kein benachbartes Gefäß oder das Trägergefäß einengt. Nach erfolgter Operation, wird eine Gefäßdarstellung (Angiographie) durchgeführt, um das Operationsergebnis besser einschätzen zu können. In der Regel sind dann Kontrollen alle 5 Jahre notwendig. Blutverdünner müssen nicht eingenommen werden. Im neuen operativen Zentrum (Haus 32) steht neben den modernsten und hochauflösenden Mikroskopen auch ein Hybrid-OP zur Verfügung, in dem die Abschlusskontrolle bereits im OP-Saal erfolgt. Dadurch soll die Behandlungsqualität für Sie als Patient deutlich verbessert werden.
Das Aneurysma-Coiling ist ein neuroradiologisches Interventionsverfahren, welches in der Angiografie durchgeführt wird. Wie bei der diagnostischen Angiografie wird auch bei der interventionellen Behandlung durch Punktion der Leistenarterie ein Führungskatheter von der Leiste bis in die Kopfarterie geführt.
Mit einem dünnen Mikrokatheter, der durch diesen Katheter geführt wird, wird das Aneurysma drahtgesteuert sondiert. Ist das Ende des Mikrokatethers im Aneurysma platziert, werden darüber Spiralen (Coils) eingeschoben bis das Aneurysma komplett mit Coils ausgefüllt ist. Die Coils bestehen aus Platin und kringeln sich in einem vorbestimmten Durchmesser, der an die Größe des Aneurysmas angepasst wird. Die Länge dieser Platinspiralen (nicht der Durchmesser) kann von 1,5 bis ca. 30 cm variieren.
Es gibt Aneurysmen mit einer schmalen Ansatzstelle oder mit einer breiten Ansatzstelle. Bei den Aneurysmen mit breiter Ansatzstelle ist zusätzlich ein Stent notwendig, der verhindert, dass Coils in das Blutgefäß vorfallen. Damit ist die Einnahme blutgerinnungshemmender Medikamente oft lebenslang verbunden. Wenn ein Aneurysma komplett mit Coils ausgefüllt ist, kann das Blut nicht mehr in das Aneurysma gelangen und fließt an diesem vorbei. Somit ist die Wiederblutungsgefahr beseitigt.
Angiographische Darstellung des mit Platinspiralen embolisierten Aneurysmas, Darstellung mit Subtraktion. Die mit Kontrastmittel gefüllten Arterien des Kopfes sind zu erkennen.
Angiografische Darstellung des mit Platinspiralen embolisierten Aneurysmas, Darstellung ohne Subtraktion. Die mit Kontrastmittel gefüllten Arterien, wie auch der Knochen des Kopfes sind zu erkennen.
Die Versorgung von Aneurysmen wird am Dresdner Neurovaskulären Centrum (durch die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie und das Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie) seit vielen Jahren regelmäßig durchgeführt. Die Indikation zur Behandlung wird immer in einer Interdisziplinären neurovaskulären Fallkonferenz gestellt. Im optimalen Fall, können Sie als Patient über die Art der Versorgung (Clipping oder Coiling) entscheiden.
Beratung
Wurde bei Ihnen ein Aneurysma diagnostiziert, bieten wir Ihnen an, sich mit Ihren Unterlagen bei uns zu einem persönlichen Gespräch vorzustellen. Wir werden anhand Ihrer Unterlagen versuchen mit Ihnen gemeinsam die beste Behandlung zu finden. Vereinbaren Sie hierzu bitte einen Termin in unserer Neurovaskulären Sprechstunde.

